Deutschland kommt beim Plastik-Recycling voran, hat in anderen Abfallbereichen aber noch Defizite. Wie die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und das Umweltbundesamt mitteilten, stieg die Plastik-Recyclingquote erneut und liegt deutlich über der EU-Mindestvorgabe. Auch bei der Wiederverwertung von Papier und Pappe sowie bei Aluminium sieht es relativ gut aus, bei Glas, bei Getränkekartonverpackungen und sonstigen Verbundverpackungen hingegen schlecht – in diesen Bereichen werden gesetzliche Mindestvorgaben deutlich verfehlt. Ein Überblick über die Abfallmassen und damit verbundene Probleme.
Plastik
Ob Joghurtbecher, Trinkflaschen oder Aufschnitt-Schalen – wer einkauft, bringt meistens viel Plastik mit nach Hause. Firmen müssen für die Verpackungen ihrer Produkte eine Art Müllgebühr bezahlen – sie müssen im Rahmen des sogenannten dualen Systems einen Dienstleister wie etwa den Grünen Punkt beauftragen, der die Entsorgung und Verwertung des entstehenden Abfalls organisiert. Für diese dualen Systeme ist die Überwachungsbehörde Zentrale Stelle Verpackungsregister zuständig.
Im Jahr 2024 landeten über diese Systeme rund 1,1 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne, davon wurden rund 0,8 Millionen Tonnen recycelt. Es geht hierbei um das sogenannte werkstoffliche – also mechanische – Recycling. Der größte Teil des Rests wurde verbrannt, etwa in Kraftwerken und Zementfabriken.
Die Recyclingquote bei Plastik lag 2024 den Angaben zufolge bei 70,8 Prozent und damit 1,9 Prozentpunkte höher als 2023 und fast 30 Prozentpunkte höher als 2018. «Das ist eine extrem gute Leistung», sagt ZSVR-Chefin Gunda Rachut. Die weit verbreitete Annahme, dass fast alles im Gelben Sack verbrannt werde und sich die Mülltrennung daher gar nicht lohne, sei ein Mythos. Die EU-Mindestvorgabe von 63 Prozent beim Plastikrecycling übertrifft Deutschland deutlich.
Ein Grund für die steigende Quote ist moderne Technik. In den Sortier- und Verwertungsanlagen kann der Müll besser getrennt und aufbereitet werden als früher. Außerdem sind einige Verpackungen inzwischen so produziert, dass sie leichter wiederverwertbar sind – hierbei spricht man vom «recyclinggerechten Design». Allerdings trifft das längst nicht auf alle Verpackungen zu, 13 Prozent der Menge, die im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne landet, sind den Angaben zufolge nicht recyclingfähige Kunststoffverpackungen.
Ein Beispiel sind Süßigkeiten-Verpackungen mit mehreren Schichten, die den Inhalt vor Verblassen oder Hartwerden schützen. Aus Sicht von Verpackungsingenieuren ist so etwas ein kleines Meisterwerk. Es gibt aber einen dicken Nachteil: Die Plastikschichten lassen sich kaum oder gar nicht trennen, weswegen die Tüten in der Regel nicht wiederverwertet, sondern verbrannt werden.
Glas
Die leere Wein- oder Ölflasche zum Glascontainer zu bringen, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, könnte man meinen. Doch den Zahlen zufolge kommt es immer häufiger vor, dass so eine Glasfalsche eben nicht dort landet, sondern im Restmüll, wo sie nicht hingehört. Die Glas-Recyclingquote in Deutschland lag 2024 nur noch bei 82,9 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte niedriger als 2023. Der Abstand zum gesetzlichen Minimum von 90 Prozent ist groß.
Umweltbundesamt-Expertin Bettina Rechenberg begründet die Situation mit einer gesunkenen Anzahl von Glascontainer-Standorten. «Das ist eine problematische Entwicklung», sagte sie und appellierte an den Handel und die Kommunen, wieder mehr Container-Standorte zu schaffen. In dicht besiedelten Gebieten eigneten sich dafür auch Parkplätze von Supermärkten. «Das macht es den Menschen einfach, ihr Glas dort hinzubringen.»
Getränkekartons
Ob Milch oder Saft – Getränke kaufen Deutschlands Verbraucherinnen und Verbraucher häufig in Kartons. Die Tetra Paks und anderen Kartons kommen ebenfalls in die Gelbe Tonne. Im Verwertungsprozess müssen ihre Bestandteile – also Pappe, Plastik und Aluminium – voneinander getrennt werden. Das ist aufwendig. In puncto Recycling sei das «ein sehr schwieriges Material», sagt ZSVR-Chefin Rachut. Die Recyclingquote dieses Segments lag 2024 nur bei 69,5 Prozent und damit 1,8 Prozentpunkte niedriger als 2023. Das gesetzliche Minimum liegt bei 90 Prozent. Rachut verweist auf deutlich geringere Verwertungskapazitäten für diese Art von Abfall in Deutschland. Das sei problematisch.
Papier und Pappe
Im Internet etwas bestellt und wenig später steht das Paket vor der Haustür. Das ist Alltag für viele Bürger. Aber was tun mit dem Karton? Wenn die eigene blaue Tonne vor der Haustür schon voll ist, sollte man es zum Papiercontainer bringen. Das Papierrecycling klappt eigentlich ganz gut, aber auch hier ist eine negative Entwicklung erkennbar: Lag die Quote 2023 noch bei 93,6 Prozent, so waren es 2024 nur noch 91,8 Prozent. Immerhin: Die EU-Vorgabe von 90 Prozent wird noch immer übertroffen.
Kritik von Umweltschützern
Bei Umweltschützern löst das Thema Recycling alles andere als Jubelstürme aus. «Die Erfolge beim Recycling von Kunststoffverpackungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Deutschland viel zu viel unnötiger Verpackungsmüll anfällt», sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Deutschland gehöre europaweit zu den größten Müllsündern. Fischer betont die Bedeutung eines EU-Ziels zur Abfallvermeidung, bei dem Recycling nicht helfe: Im Vergleich zu 2018 muss der Verpackungsabfall bis 2030 um fünf Prozent gesenkt werden.
Dafür braucht es vor allem Vermeidungsstrategien und wiederverwendbare Mehrwegverpackungen. Die DUH fordert, dass Verbraucher beim Kauf einer Einweg-Plastikflasche oder einer Getränkedose eine Abgabe von mindestens 20 Cent für die Verpackung zahlen müssen. Der höhere Preis soll dazu führen, dass die Konsumenten auf ein Mehrweg-Angebot umschwenken. So eine Abgabe sollte es auch in der Gastronomie geben, sagt Fischer.
Mit tiefen Sorgenfalten bewertet Fischer zudem die anhaltend niedrige Recyclingquote bei Getränkekartons. «Statt im Gelben Sack landet rund ein Drittel der Einweg-Kartons im Restabfall, in der Umwelt oder in der Papiertonne, wo sie ebenfalls nicht recycelt werden», sagt der Umweltschützer. Das sei eine Verschwendung von Ressourcen und belaste die Umwelt. Fischer spricht sich dafür aus, die Pfandpflicht auf Getränkekartons auszuweiten. Technisch sei die Rücknahme solcher Kartons an Pfandautomaten problemlos umsetzbar.
