Die Deutschen greifen immer mehr in die Bio-Regale – und die Bauern kommen mit der Produktion nicht hinterher. Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln sei im vergangenen Jahr in Deutschland um 6,7 Prozent gestiegen, die Anbaufläche für Bioprodukte dagegen nur um 1,1 Prozent gewachsen, teilte der Spitzenverband der Biobranche, BÖLW, zum Start der weltweiten größten Leitmesse BIOFACH in Nürnberg mit. 

Der Bio-Anteil an der Gesamtfläche in Deutschland betrage 11,7 Prozent – das Ziel für 2030 liegt bei 30 Prozent. Damit wirtschafte derzeit jeder siebte Hof in Deutschland ökologisch. Andere Länder in Europa sind weiter: Österreich, Estland, Griechenland und Portugal liegen jenseits der 20 Prozent. 

Der Bioanteil am gesamten Lebensmittelumsatz betrug im vergangenen Jahr nach Verbandsangaben 6,6 Prozent. Trotz weiterhin höherer Preise der Bio-Lebensmittel geht der Trend weiter. 90 Prozent der jungen Leute aus der sogenannten GenZ griffen zu Bio-Produkten. 

«Chancen so gut wie schon lange nicht mehr»

Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) forderte Landwirte zur Umstellung auf Bio-Erzeugung auf. «Die Chancen für umstellungswillige Betriebe sind so gut wie schon lange nicht mehr», sagte die Ministerin. Bayern habe sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 den Anteil an Bio-Anbau auf 30 Prozent der Fläche auszubauen. Bisher werden 14 Prozent der Anbaufläche biologisch bewirtschaftet. 

Die große Nachfrage nach Bioware werde von der bayerischen Landwirtschaft noch nicht widergespiegelt. Nach vorläufigen Zahlen habe Bayern im vergangenen Jahr von 430.000 Hektar Ökofläche bis zu 5.000 Hektar verloren. Etwas mehr als 300 der rund 11.800 Ökobetriebe seien aus der Förderung des Ökolandbaus ausgestiegen, 266 seien auf der anderen Seite dazugekommen. 

Hemmschuh Politik? 

Anbau- und Branchenverbände sehen in der Politik einen Hemmschuh. «Wir sehen, dass die Umstellerzahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben», sagte die BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres. Die Bio-Anbaufläche wachse pro Tag um 80 Fußballfelder. «Aber das ist zu wenig», sagte Andres. «Wir überlassen den Markt ohne Not anderen Ländern, anderen Akteuren», betonte sie. Deutschland vergebe Chancen – und sieht die Politik in der Verantwortung. 

Das 30-Prozent-Ziel dürfe nicht nur ein Lippenbekenntnis bleiben. Auch der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling sieht «politische Kurzsichtigkeit». Der Grünen-Bundestagsabgeordnete bezeichnete Agrarminister Alois Rainer (CSU) als «Tu-Nix-Minister», dessen Trägheit gegenüber einer Boom-Branche zu mehr Importen nach Deutschland führe. Rainer mache – im Gegenteil – der Biobranche das Leben schwer, indem er etwa Erleichterungen für Gen-veränderte Lebensmittel befürworte.