• Do. Dez 1st, 2022

Autobahn-Toiletten werden teurer: Sanifair erhöht die Preise

Die A9 am Hermsdorfer Kreuz in Thüringen Richtung Berlin. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Bodo Schackow/dpa)

Der Toilettenbesuch wird an den meisten Autobahntankstellen und Raststätten in Deutschland künftig teurer. Ab dem 18. November will der Toilettenbetreiber Sanifair die Gebühr an den von ihm betriebenen rund 400 Toilettenanlagen entlang der Autobahnen von bislang 70 Cent auf 1 Euro erhöhen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen erfuhr.

Gleichzeitig überarbeitet das Unternehmen sein bekanntes Wert-Bon-Modell. Künftig erhalten die Kundinnen und Kunden von Sanifair nach der Zahlung des Toilettenentgelts einen Wertbon in voller Höhe des gezahlten Betrages von einem Euro. Bislang gab es beim Preis von 70 Cent nur einen Wert-Bon in Höhe von 50 Cent. Der Gutschein kann beim Einkauf an den Autobahnraststätten eingelöst werden – allerdings künftig nur ein Bon pro Artikel.

Für Gäste der Raststätten werde die Nutzung der Sanifair-Anlagen damit praktisch kostenneutral, erklärte das Unternehmen. Angesichts der hohen Preise an den Autobahnraststätten nutzen allerdings längst nicht alle Sanifair-Kunden die Wert-Bons.

Es ist die erste Preiserhöhung bei Sanifair seit 2011. Der Schritt erlaube es, die Standards bei Sauberkeit, Service und Komfort trotz der stark gestiegenen Betriebskosten für Energie, Personal und Verbrauchsmaterialien dauerhaft aufrecht zu erhalten, betonte das Unternehmen. Sanifair ist eine Tochter der Tank & Rast-Gruppe, die den Großteil der Tankstellen und Raststätten an den deutschen Autobahnen kontrolliert.

Bons sammeln lohnt nicht mehr

Bei ADAC stieß der Schritt auf Verständnis: «Diese Maßnahme ist für Reisende und insbesondere Familien bedauerlich, ist aber aus Sicht des ADAC angesichts allgemeiner Preissteigerungen nachvollziehbar», sagte ein Verbandssprecher. Wichtig sei, dass mit der Verteuerung auch eine weitere Verbesserung in punkto Sauberkeit und Hygiene der Raststättentoiletten einhergehe.

Positiv bewertete der ADAC, dass Kunden nach der Zahlung für den Toilettenbesuch einen Wertbon in voller Höhe des gezahlten Betrages von einem Euro erhalten. Kritisch sah der Verband dagegen, dass künftig nur noch ein Bon pro Artikel eingelöst werden kann. «Diese Maßnahme soll vermutlich den Umsatz an den Autobahnraststätten ankurbeln, verbraucherfreundlich ist sie aber nicht.»

Kritischer fiel die Einschätzung des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale (vzbv) aus. «Die Erhöhung der Toilettenpreise um mehr als 40 Prozent, von 70 Cent auf einen Euro, wird die Bereitschaft der Autofahrer, die Sanifair-Angebote zu nutzen, weiter senken», urteilte Mobilitätsexperte Gregor Kolbe. Dass die Kundinnen und Kunden künftig eine höheren Wertgutschein erhielten, bringe ihnen wenig. Denn die meisten Produkte kosteten an den Autobahnraststätten trotzdem ein Vielfaches dessen, was man abseits der Autobahn zahle. Und der Trick, mehrere Gutscheine zu sammeln und dann zusammen einzulösen, werde nach der Preisanpassung nicht mehr möglich seien.

Kritik am Geschäft mit der Notdurft

Beim Automobilclub für Deutschland (AvD) stieß der Schritt von Sanifair ebenfalls auf Ablehnung. Die Sanifair-Mutter Tank & Rast habe eine privilegierte Position an den Autobahnen, und lasse sich dies beim Tanken oder beim Essen in der Raststätte auch gut bezahlen, sagte AvD-Sprecher Malte Dringenberg. Egal ob Kraftstoff, Schokoriegel oder Schnitzel: Alles sei dort deutlich teurer als abseits der Autobahn. «Dass das Unternehmen mit der Notdurft noch einen zusätzlichen Euro macht und dadurch auch viele Leute vergrault und zu Wildpinklern werden lässt, sehen wir als AvD kritisch.»

Zwar können Autofahrerinnen und Autofahrer bei einem dringenden Bedürfnis auch auf eine der 1500 unbewirtschafteten Rastanlagen an den deutschen Autobahnen ausweichen. Doch ein aktueller Test des ADAC zeigt, dass ein Toilettengang dort zwar kostenlos, aber oft genug eine eher unangenehme Erfahrung ist. «Oftmals wirkten die Rastplätze ungepflegt, gerade die Toilettenanlagen waren verschmutzt oder schlecht ausgestattet», fasste der Verband jüngst das Ergebnis von Stichproben an 50 unbewirtschafteten Rastplätzen zusammen. Mehr als jede fünfte Anlage erhielt im Test die Note «mangelhaft» oder «sehr mangelhaft».

In 72 Prozent der Anlagen fand sich laut ADAC gar kein Seifenspender oder es war mindestens einer defekt. 26 Prozent verfügten über kein Toilettenpapier. In mehr als der Hälfte gab es zudem gar keinen oder mindestens einen kaputten Handtrockner. Besonders unerfreulich: verstopfte Toiletten und Kabinentüren, die sich nicht abschließen ließen.